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30 Jahre nach der Wiedervereinigung wäre das ein richtiges Zeichen!

Leipzig

„Ich begrüße Sie zur Tagesschau“. Geht es nach dem Leipziger CDU-Politiker Andreas Nowak, dann soll die traditionelle Begrüßung zur ARD-Hauptnachrichtensendung künftig in einem Studio in Leipzig gesprochen werden. Der Landtagsabgeordnete, der selbst ausgebildeter Radioredakteur ist, sagt: „30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es höchste Zeit, dass eines der wesentlichen Nachrichtenangebote Deutschlands aus dem Osten kommt“. Bisher sitzt die Gemeinschaftsredaktion für die aktuellen Sendungen des Ersten beim NDR in Hamburg.

Eine solche Veränderung wäre außerdem ein Beitrag dazu, die Anzahl wichtiger öffentlicher Einrichtungen in Ostdeutschland zu erhöhen. Diese sei entgegen den Versprechungen der Bundespolitik noch immer viel niedriger als im Westen.

Nowak: Umzug erhöht Tagesschau-Akzeptanz in neuen Ländern.

Nowak sieht in der Verlegung in die sächsische Metropole eine ganze Reihe von Vorteilen. So könne „eine Tagesschau made in Ostdeutschland“ dazu beitragen, die Akzeptanzdefizite, die die Tagesschau in den neuen Ländern hat, abzubauen. Mit dem Umzug würde auch das Verständnis für ostdeutsche Sichtweisen und Themen verbessert werden. Und: Der neue Sendestandort könnte helfen, dem weit verbreiteten Gefühl, der Osten sei nur „ein Anhängsel des Westens“ etwas entgegenzusetzen. „Wenn maßgebliche Journalisten täglich erleben würden, wie attraktiv das Leben in Leipzig oder in Sachsen ist, dann würde den verbreiteten unzutreffenden Klischees sicher besser entgegengewirkt“, so Nowak.

Hintergrund: Die ARD/ZDF-Studie „Massenkommunikation Trends 2018“ hatte belegt, dass öffentlich-rechtliche Programme im Osten weitaus weniger Glaubwürdigkeit zugestanden wird. So hat das Kriterium, der öffentlich-rechtliche Rundfunk „bietet zuverlässige und glaubwürdige Informationen“ im Osten 20 Prozent weniger Zustimmung als im Westen. In den Kategorien, „sind wichtig für die politische Meinungsbildung“, „bieten hohe journalistische Qualität“ und „lassen alle zu Wort kommen, die sich um gesellschaftliche Fragen kümmern“ gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede.

ARD-aktuell-Chef: „Es soll sich nichts ändern“.

Bei der ARD stieß die Idee erwartungsgemäß auf wenig Begeisterung. „Die Tagesschau sitzt in Hamburg und daran soll sich auch nichts ändern“, sagte Marcus Bornheim, zweiter Chefredakteur von ARD aktuell auf LVZ-Anfrage. Man stehe für Qualitätsjournalismus, der weltweit alle Geschehnisse im Blick hat. Mit einem neuen Newsroom seien die baulichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft der Nachrichtensendung geschaffen. „Beiträge werden von allen Landesrundfunkanstalten der ARD angeboten und produziert. Für Ostdeutschland übernehmen das MDR, RBB und NDR.“ Sachsens Medienratspräsident Michael Sagurna zeigte immerhin Sympathie für den Vorschlag: „Eine Sekunde lang hatte ich Freude an dem Gedanken. Aber leider ist die Sächsische Landesmedienanstalt für diese Frage nicht zuständig. Schade.“

ZDF-Chef Frey: Osten hat zu wenig Stimme

Nowak nimmt bei seinem Vorstoß auch Bezug auf ZDF-Chefredakteur Peter Frey, der zuletzt bei einer Veranstaltung in Cottbus einräumte, dass es ein Wahrnehmungsproblem gebe, weil der Osten in Deutschland zu wenig Stimme habe. Dies müsse, so Nowak, nun aber auch für die Aufgabenteilung bei der ARD Konsequenzen haben. Nur im Dritten aus dem Osten zu senden, reiche nicht. „Der MDR sendet heute mit MDR aktuell die einzige eigene überregionale Nachrichtensendung im Dritten Programm. Erfahrung ist also reichlich vorhanden, um die älteste Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens zu verantworten“, so Nowak.

Tagesschau auf 20 Minuten verlängern?

Ähnlich kritisch hatte vor anderthalb Jahren Sachsen Anhalts Kulturminister Rainer Robra argumentiert und sogar die Abschaffung der Tagesschau gefordert. Auch wenn er später etwas zurückruderte, so beklagte der CDU-Politiker deutlich: Wenn der Osten im Ersten abgebildet werde, dann meist negativ. „Das ist alles westgeprägt. Und das muss sich ändern“, sagte Robra im Deutschlandfunk. So würden Themen aus Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland in der ARD kaum prominent platziert werden. Sein Vorschlag damals: Die Tagesschau auf 20 Minuten verlängern. Damit öfter auch mal Sachsen-Anhalt vorkomme, so Robra.

Von Olaf Majer